Polarlicht über Jupiters Nordpol, vom Hubble Space Telescope im UV-Spektrum fotografiert

„Strahlung des Jahres 2026“

Die Entdeckung und Anwendung der UV-Strahlung: ein wissenschaftsgeschichtliches Symposion
Polarlicht über Jupiters Nordpol, vom Hubble Space Telescope im UV-Spektrum fotografiert
Foto: University of Michigan
Veranstaltungseckdaten
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Beginn
Ende
Veranstaltungsarten
Tagung
Vortrag
Ort
Rosensäle der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Fürstengraben 27 27
07743 Jena
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Veranstaltungssprache
Deutsch
Barrierefreier Zugang
nein
Öffentlich
ja
Anmeldung erforderlich
ja

Die Entdeckung und Anwendung der UV-Strahlung

Johann Wilhelm Ritter

Foto: Wikipedia

Am 22. Februar 1801 entdeckte der romantische Experimentalphysiker Johann Wilhelm Ritter (1776-1810) in Jena die UV-Strahlung. Die ultraviolette Strahlung ist ein Teil des elektromagnetischen Spektrums und befindet sich im Wellenlängenbereich zwischen der Röntgenstrahlung und der sichtbaren optischen Strahlung (Licht). Friedrich Wilhelm Herschel (1738-1822) hatte kurz zuvor mit hochempfindlichen Thermometern die Infrarotstrahlung als Energieform jenseits des sichtbaren roten Spektralbereichs entdeckt. Nachdem Ritter mit Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) über dessen Farbentheorie und über die darin postulierte „Polarität“ bzw. Symmetrie der Lichtspektren diskutiert hatte, postulierte jener aus Symmetriegründen die Existenz einer weiteren Form der Strahlung am anderen Ende des sichtbaren Spektrums. So war der junge Physiker aufgrund des Einflusses von Goethe motiviert, nach dieser Strahlung zu suchen. Er spaltete die Sonnenstrahlung mit einem Glasprisma auf und belichtete damit Silberchlorid, das darauf eine photochemische Reaktion zeigte und sich schwarz färbte. Das Silberchlorid verfärbte sich jenseits des violetten Spektralbereichs des sichtbaren Lichts besonders stark. Es musste also in diesem Bereich eine Strahlung geben, die für das menschliche Auge nicht sichtbar ist.

Am Samstag, dem 21. Februar 2026, also am Vorabend der Entdeckung vor 225 Jahren, veranstaltet das Jenaer Zentrum für Romantikforschung gemeinsam mit dem Deutschen Optischen Museum, dem Fachverband für Strahlenschutz und dem Romantikerhaus Jena ein wissenschaftsgeschichtliches Symposion. Beteiligt sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus vier Fakultäten der Universität Jena (Philosophische Fakultät, Physikalisch-Astronomische Fakultät, Chemisch-Geowissenschaftliche Fakultät, Fakultät für Biowissenschaften). Thematisiert werden in den Vorträgen nicht nur Heuristiken romantischer Experimentalphysik. Vermittelt wird auch das gegenwärtige Wissen über Nutzen und Gefahren der Strahlung, die im Rahmen der Tagung vom Fachverband für Strahlenschutz als „Strahlung des Jahres 2026“ ausgerufen wird.

In den Blick rücken zudem weitere ‚Meilensteine‘ der Erforschung und Anwendung der ultravioletten Strahlung, die in Jena erreicht wurden: die erste Anwendung der UV-Mikroskopie mit der Entdeckung der Fluoreszenz in der Mikroskopie (1904) und die Entwicklung der technischen Lösung der Lithografie im extremen Ultraviolett (EUV-Lithografie), die im Jahr 2020 mit dem Deutschen Zukunftspreis bedacht worden ist. Ein kultur-, wissenschafts- und technologiegeschichtlicher Stadtspaziergang beschließt am Sonntag, den 22. Februar 2026, die interdisziplinäre Zusammenkunft.

Programm

Sonnabend, der 21. Februar 2026, 10.00-11.30 Uhr

Sellierstraße 6, 07745 Jena

Die Mineralogische Sammlung der Universität ist geöffnet und ein Besuch des UV-Kabinetts möglich (Führung von Frau Dr. Birgit Kreher-Hartmann).

Sonnabend, der 21. Februar 2026, 13.30-18.00 Uhr

Rosensäle der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Fürstengraben 27, 07743 Jena

Uhrzeit Programmpunkt
13:30 Begrüßung, Vorstellung der Mitveranstalter, Einführung in die Tagung (Dr. Helmut Hühn (Friedrich-
Schiller-Universität Jena) und Prof. Dr. Timo Mappes (Deutsches Optisches Museum))
13:40 Grußworte von Prof. Dr. Thomas Pertsch (Vizepräsident für Forschung und Innovation der Friedrich-
Schiller-Universität Jena) und von Dipl.-Ing. Martina Froning (Präsidentin des Fachverbandes für Strahlenschutz)
13:50

Prof. Dr. Olaf L. Müller (Humboldt-Universität zu Berlin): Ultraviolett. Zur Entdeckung der UV-Strahlung
in Jena (Moderation: Dr. Helmut Hühn)

 – mit Nachstellung des Versuchs von Johann Wilhelm Ritter durch Prof. Dr. Holger Cartarius
(Friedrich-Schiller-Universität Jena), Prof. Dr. Timo Mappes und Prof. Dr. Tom Wagner (Friedrich-
Schiller-Universität Jena)

15:20 Pause
15:40 Dr. Birgit Keller (Arbeitskreis Nichtionisierende Strahlung des Fachverbands für Strahlenschutz):
Was wissen wir heute über UV-Strahlung? Gefahren und Nutzen (Moderation: Dr. Kristin Knebel, Städtische Museen Jena)
16:10 Prof. Dr. Timo Mappes: Beginn der UV-Mikroskopie und Entdeckung der Fluoreszenz in der Mikroskopie
in Jena 1904. (Moderation: Dr. Kristin Knebel)
16:40 Pause
16:55 Dr. Bernhard Kneer (ZEISS Semiconductor Manufacturing Optics, ZEISS SMT): DUV-Lithographie-
Optiken von ZEISS – Auflösung und Präzision als Innovationstreiber (Moderation: Matthias Bothe, Fachverband für Strahlenschutz)
17:25 Dr. Jörg Petschulat (ZEISS Semiconductor Manufacturing Optics, ZEISS SMT): EUV-Lithografie –Licht
für das digitale Zeitalter (Moderation: Matthias Bothe)
17:55 Matthias Bothe: Die „Strahlung des Jahres 2026“
18:00  Ende der Veranstaltung

Johann Wilhelm Ritter: Bemerkungen zu Herschel’s neueren Untersuchungen über das Licht [Abhandlung für die Naturforschende Gesellschaft zu Jena im Frühling 1801], in: ders.: Physisch-Chemische Abhandlungen in chronologischer Folge. Zweyter Band. Leipzig 1806, 81-107, hier 86 f.

Foto: Forschungsbibliothek Gotha

Sonntag, der 22. Februar 2026, 10.00-12.00 Uhr

Stadtspaziergang (Treffpunkt: Goethe-Laboratorium der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Fürstengraben 26, 07743 Jena)

Stationen:

1. Das Goethe-Laboratorium – Goethes Entdeckung der „Polarität“ in der Natur (Fürstengraben 26).
2. Das Voigtsche Gartenhaus – der zwischenzeitliche Wohnort Ritters und Entdeckungsort der UV-Strahlen (Zwätzengasse 9).
3. Das Romantikerhaus – Musealer Erinnerungsort an Ritter im Kreis der Jenaer Frühromantiker (Unterm Markt 12 A).
4. Das Phyletische Museum – UV-Wahrnehmung bei Tieren (Vor dem Neutor 1).
5. Die optiX fab GmbH – zur Herstellung von EUV-Spiegeln (Otto-Schott-Str. 41)

Anmeldungen zur Tagung und ihren Programmpunkten sind erwünscht unter: 
h.huehn@uni-jena.de

Veranstalter